Der richtige Titel ist für einen Führungsjob die halbe Miete – aber eben nur die halbe. Es gibt ein paar Methoden, mit denen Sie auch titellos die ersten Selektionshürden überspringen: Punkten Sie mit dem, wofür es keine Diplome gibt.

Scheitert eine Führungskraft, sind die Ursachen dafür in den seltensten Fällen bei deren Fachwissen zu finden. Neun von zehn zeigten Schwächen oder Unvermögen bei den Soft Skills: in den Disziplinen Teamfähigkeit, Führungsverantwortung, Vorbildfunktion, Konsequenz oder Konfliktfähigkeit

Oder bei der Bereitschaft zu kooperieren, Verantwortung zu übernehmen, je nach Situation richtig zu reagieren / entscheiden, mit der nötigen Klarheit und Härte wenn das erforderlich ist

Dennoch: Geht es um die Neubesetzung der Stelle, selektieren viele die Bewerbungsdossiers nach Hard Skills, der Fachkompetenz: nach Bachelor, Eidg. dipl., Dr., MAS, MBA, usw. Und das zwingt wiederum die Angebotsseite, Titel zu sammeln…..

Es kommt auf das Unternehmen an

Die Titel, die als Statussymbol zu mehr persönlichem Ansehen verhelfen sollen. Die Bedeutung von Titeln werde geprägt und in der Deutschschweiz haben sie stark an Bedeutung verloren

Doktortitel verliert an Bedeutung

Zwei Beispiele: Die promovierte Chefin will promovierte Mitarbeiter, weil das ihre Abteilung aufwertet, oder weil sie mit “Normalsterblichen” nicht warm wird. Ganz anders der Kollege, auch promoviert. Er will Mitarbeiter ohne Doktortitel, weil diese seine Position weniger in Frage stellen, oder weil er eine klare Distanz zu seinen Leuten wünscht

Sind Titel wichtig oder nicht? Dazu gibt es keine generell gültige Antwort, Tendenziell werde der Doktortitel in den meisten Branchen heute nicht mehr so hoch gewertet, und bei Hochschulabsolventen werde weniger darauf geachtet, welche zusätzlichen Diplome sie erworben haben

MBA: Nur ein teures Ticket fürs Vorstellungsgespräch?

Anders beim reinen ETH-Ingenieur, der sich für eine Stelle mit allgemeinen Managementaufgaben bewirbt. “Hier wird eher Wert auf ein Wirtschafts-Nachdiplomstudium oder eine vergleichbare Zusatzausbildung gelegt

Will heissen: “Wir müssen aufhören damit, uns auf bestimmte Diplome zu fixieren.” Das MBA beispielsweise werde hochstilisiert. Und das veranlasst manchen Kandidaten zum Erwerb des Titels, obwohl er für den angestrebten Job auch ohne qualifiziert wäre: Eine teuer erworbene Eintrittskarte, die manchmal nur dazu dient, zum Vorstellungsgespräch geladen zu werden

Tricks, die Selektions-Klippen zu umschiffen

Und wer diese Karte nicht vorweisen kann, fällt durch den Raster? Es ist zwar paradox, doch bei 100 oder mehr Bewerbern auf eine begehrte Stelle müsse halt „vorselktioniert“ werden – und da liege es nahe, sich an Kriterien wie Ausbildung, Werdegang und Abschlüssen zu halten und gerade in der aktuellen Marktsituation ist es offensichtlich, dass Leute mit angesehenen Diplomen bei der Rekrutierung bevorzugt werden

Doch es gibt ein paar Tricks, die Selektions-Klippe zu umschiffen: Will man sich intern um eine Stelle bewerben und fehlt ein Diplom, sollte man sich an die Personalverantwortlichen halten, Sie seien eher als der Linienvorgesetzte dafür zu gewinnen, Berufserfahrung gebührend zu gewichten

Handfeste Argumente statt Diplom

Werden in einem Inserat Diplome gefordert, die man nicht vorweisen kann, sollte man die entscheidende Person zuerst anrufen und handfeste Argumente vortragen: Man muss nachvollziehbar begründen, warum man für den Job auch ohne das verlangte Diplom für diese Position geeignet ist. Durch das Belegen konkreter Erfolge im Fachbereich beispielsweise oder durch jahrelange Berufserfahrung in einer ähnlicher Funktion

Relativ niedrig sind die Chancen, wenn sich viele Bewerber mit den verlangten Anforderungen gemeldet haben. “Ist der Rücklauf hingegen dürftig, kann es schon mal vorkommen, dass ein Muss-Kriterium in ein ‚nice to have‘ umwandelt wird” Und damit ist man trotz fehlendem Titel wieder im Geschäft

Lebenslauf nicht nach dem Schweizer Muster

Auch ein Muss: Im kurz gehaltenen Begleitschreiben zum Bewerbungs-Dossier immer angeben, weshalb man sich als die geeignete Person für diese Position sieht. Apropos Dossier: “Verfassen Sie den Lebenslauf nicht nach traditionellem Schweizer Muster, sondern nach dem amerikanischen”. Also nicht einfach die Arbeitgeber chronologisch auflisten und die Positionen, die man dort innehatte, sondern die übernommenen Aufgaben beschreiben – mit einer klaren Aussage dazu, was man erreicht hat

Und werfen Sie in die Waagschale, wofür es keine Titel und Diplome gibt: Ihre Soft Skills. Sie sind in Führungsfunktionen fast immer wichtiger als Fachwissen, darin sind sich die meisten Fach-Experten einig. Aber viel schwieriger zu fassen als in einer Gegenüberstellungs-Matrix Alter, Berufsjahre, Titel oder Diplome abzuhaken

Die Chancen der Titellosen

Und genau darin liegt eine weitere Chance des Titellosen. Denn: “Selbstverständlich gibt es Testverfahren, die Aussagen über Verhaltensweisen und Neigungen von Kandidaten zulassen”, aber es gibt keine hundertprozentige Treffsicherheit. Hauptübel ist, dass nur der Bewerber getestet wird, nicht aber seine möglichen Vorgesetzten und Teamkollegen. Diese Aspekte müssen die Personalverantwortlichen auf Grund ihrer subjektiven Einschätzung in das Selektionsverfahren einzubringen versuchen

Ihre wichtigsten Instrumente dazu sind Assessments und strukturierte Interviews. Aber auch ein interessanter Werdegang ist aussagekräftig und Arbeitszeugnisse – (vor allem uncodierte). Passen Bewerbungsschreiben, Referenzauskünfte, Zeugnisse und CV zusammen, haben Sie erreicht, was Sie wollten