Wer sich auf dem Arbeitsmarkt umsieht, hat in der Regel einen längeren Orientierungsprozess hinter sich. Die einen haben sich bewusst für Veränderung entschieden und streben eine Weiterentwicklung aus eigenem Antrieb an. Gewünscht werden mehr Verantwortung, eine Spezialisierung oder eine Erweiterung des Aufgabenbereichs, bessere Verdienstmöglichkeiten, der nächste Karriereschritt.

Einflüsse auf den Bewerbungsprozess

Bei anderen entsteht aufgrund von Entwicklungen bei ihrem Arbeitgeber eher Druck von außen, sich neu zu orientieren: Verschlechterung der Auftrags- und Ertragssituation, organisatorische Veränderungen, Anpassungen des Aufgabenbereichs, Spannungen mit dem Vorgesetzten oder im Team.

Ob ich freiwillig eine neue Aufgabe suche oder ich mich eher zwangsläufig beruflich verändern muss, hat in der Regel Konsequenzen für den Bewerbungsprozess. Im Vorteil ist derjenige, der die Veränderung aus freien Stücken angehen kann. Er wirkt selbstbewusster und souveräner und kann so besser überzeugen. Deshalb ist es sinnvoll, sich immer wieder selbst zu fragen, ob ich mit meiner beruflichen Aufgabe zufrieden bin, ob meine Erwartungen erfüllt werden, ob ich meine Fähigkeiten optimal einbringen kann – unabhängig von der aktuellen Situation des derzeitigen Arbeitgebers.

Erster Schritt: die interne Lösung

In der Regel können und sollen im Rahmen einer unternehmensinternen Personalentwicklung solche Themen im Gespräch mit dem Vorgesetzten besprochen und Optimierungsmöglichkeiten gesucht werden. Gute Arbeitgeber und Vorgesetzte wissen, dass hohe Leistungen auf Dauer nur erbracht werden können, wenn die Erwartungen des Arbeitgebers an die berufliche Rolle und die Wünsche und Ziele des Mitarbeiters möglichst weit übereinstimmen.

Deshalb sind in den meisten Fällen für beide Seiten – Mitarbeiter und Unternehmen – Lösungen erstrebenswert, bei denen sich der Mitarbeiter unternehmensintern weiterentwickeln kann. Dabei muss es sich nicht notwendig um Maximallösungen handeln. Oft helfen im ersten Schritt auch schon kleine Veränderungen und Anpassungen, wenn eine „große Lösung“ nicht sofort oder in vollem Umfang möglich ist.

Unzufriedenheit analysieren

Wenn die persönlichen Wünsche jedoch auf Dauer nicht erfüllt werden können und sich Unzufriedenheit einstellt, sollte man sich jedoch Gedanken über einen grundsätzlichen Wechsel machen. Wenn der Reflexionsprozess schon im Rahmen der internen Personalentwicklung in Gang gekommen ist, weiß man in der Regel schon, was die Unzufriedenheit auslöst. Auf jeden Fall ist die Frage nach dem Grund für die Unzufriedenheit der Ausgangspunkt für die Suche nach einer Alternative: Ist es die Aufgabenstellung? Ist es der Chef? Das Team? Das Unternehmen? Das Gehalt? Die Antwort auf diese Frage stellt Weichen für die weitere Suche.

Wenn die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Arbeitgeber zusammenhängen (Chef, Team, Gehalt, Unternehmenskultur) und eine interne Lösung nicht realisiert werden kann, liegt ein Wechsel innerhalb der bisherigen Branche und im gewählten Beruf nahe. Vielleicht kann ein anderer Arbeitgeber die Wünsche erfüllen. Es empfiehlt sich dann, in einem ersten Schritt eine möglichst vollständige Liste aller in Frage kommender Unternehmen und der relevanten Ansprechpartner zu erstellen.

Das Wunschunternehmen ermitteln

Wenn der Markt nicht allzu eng ist, können bei der Zusammenstellung der gewünschten Unternehmen auch regionale Aspekte berücksichtigt werden: Möchte ich meinen bisherigen Lebensmittelpunkt beibehalten oder strebe ich auch einen Ortswechsel an? Über die ausgewählten Unternehmen sollten dann alle möglichen Informationen gesammelt und gesichtet werden. Was zeichnet das jeweilige Unternehmen aus? Was sind seine Stärken? Was kann es mir bieten?

Auf diese Art und Weise ergibt sich ein Ranking der am besten zu mir passenden Arbeitgeber. Möglicherweise finden sich bei der Recherche auf der Unternehmenshomepage oder in den einschlägigen Stellenbörsen bereits passende Stellenangebote. Auf die sollte man sich dann direkt bewerben. Wenn keine passenden Stellenangebote ausgeschrieben sind, kann man sich mit einer überzeugenden Initiativbewerbung an das Wunschunternehmen wenden.

Ein geplantes Risiko eingehen

Sollte die Unzufriedenheit mit der bisherigen Aufgabenstellung zusammenhängen, empfiehlt sich eine sorgsame Bestandsaufnahme. Was genau gefällt mir nicht (mehr)? Fühle ich mich über- oder unterfordert? Möchte ich mehr in die Breite oder in die Tiefe gehen? Stellen sich bei mir ganz andere Ideen ein? Gibt es einen Traumberuf, den ich nicht verwirklicht habe, weil ich z.B. den Wunschberuf der Eltern eingeschlagen habe und an den ich dennoch immer wieder denke? Gibt es Möglichkeiten, den nicht verwirklichten Traum nachträglich doch noch zu verwirklichen oder eine Aufgabenstellung zu finden, die diesem Traum näher kommt als der bisherige Tätigkeitsbereich? Auch hier ist es ratsam, nach einem Brainstorming der idealen Tätigkeiten Listen von Unternehmen zusammenzustellen, die entsprechende Aufgabenstellungen anbieten und sie systematisch zu kontaktieren.

Solche Überlegungen sind sehr grundsätzlicher Natur und durchaus risikobehaftet. Es ist jedoch auch riskant, an einem Job zu kleben, unter dem man dauerhaft leidet. Deshalb ist ein Wechsel in diesem Fall auf jeden Fall ratsam. Allerdings sollte er sorgfältig geplant und vorbereitet werden.